Alles Gute kommt von Oben!! Teil 2
25 06 2007T -2h 45 Minuten: Wir schlagen an der Dropzone auf, allerdings vorerst noch mit dem Auto.. Am Hangar treffen wir gleich auf den Boss. Er schickt uns weiter zum Manifest (Anmeldung). Wir füllen die Anmeldung aus. (Meine E-Mailadresse gebe ich nicht an, das Papierformular bietet kein Opt-In und ich habe Angst vor Spam
) Darauf steht auch unter anderem, dass mir bewusst sein muss, "dass Fallschirmspringen ein Risikosport ist und im Extremfall sich auch der Notschirm nicht öffnen kann". Ich tue den Satz als "Standard-Absicherung des Veranstalters" ab. Mein Gehirn sortiert diesen Satz in die Schublade ein, in der auch der Satz von der SMINT-Packung steht "Kann bei zahlreicher Einnahme abführend wirken".
T - 30 Minuten: Frank gibt mir meinen Anzug, zieht mir meinen Gurt an und wir machen Trockenübungen: Kopf in den Nacken, Hohlkreuz, Beine anwinkeln und Knie hochdrücken. Bobby hat inzwischen Veli "fertig gemacht". Dann besprechen wir den Ablauf: Rein in die Maschine, bei ca. 3500 Gurt einklinken, bei 4000 vor zur Tür bis an die Kante, Beine unters Flugzeug, Hände an den Körper, Kopf in den Nacken...
T -20 Minuten: Wir stehen an der Tankstelle. Das Absetzflugzeug fliegt nie ganz voll getankt, um das Startgewicht niedrig zu halten und einen schnellen und spritsparenden Steigflug zu ermöglichen. Die Formationsgruppe Incognito samt Kameramann steht auch bei uns. Frank sagt mir wie und wo ich sitzen werde. Wir gehen die Schritte, die wir gleich im Flugzeug durchführen werden, nochmals durch. Er konntrolliert auch nochmals meinen Gurt.
T -17 Minuten: Die Pilatus Porter rollt an. Ein Tankwart rennt auf die rollende Maschine zu und hängt sich an eine Strebe unter dem Flügel und fährt so ein paar Meter an der Maschine hängend mit. Ich frage Frank, welche Funktion das hat. Er meint "das hat die Funktion, dass der Mann im Tower verärgert wird". Eine kurze Ablenkung.
T -15 Minuten: Wir steigen ein. Trotz des recht hohen Preises ist der Komfort erstaunlich niedrig. Eine Bank ohne Rückenlehne, die Beinfreiheit verdient den Namen nicht und auch meine steigende Anspannung lässt den Aufenthalt in diesem Flugzeug so ganz anders werden, als in allen in anderen in denen ich bisher war. Immerhin sitzt Anne mit ihrer geilen Lockenkopfrisur vor mir! In dem kleinen Innenraum haben sich dann doch 9 Leute verstaut. Eine Fliege würde hier Platzangst bekommen.
T -13 Minuten: Die Blue Mary hebt ab. Ich erkundige mich bei Frank nach dem Bordservice und habe das Gefühl ich stelle einer dieser Fragen, die er schon 10.000 mal von den Tandemgästen gehört hat. Zu meinem Entsetzen gibt es keinen Boardservice, aber er verweist mich auf Anne. Sie meint aber, das gäbe es nur auf 10.000 Metern. "Da kommen wir wohl heute nicht mehr hin" erwidere ich. Frank zeigt mir seinen Höhenmesser: 1500 Meter. Schweigen in eng gedrängten Innenraum.
T -10 Minuten: Schweigen ist schlecht wenn man das erste mal aus 4 km Höhe springt und nicht weiss was einen erwartet. Schweigen ist der Panikhamster in meinem Kopf, der auf dem Laufrad der Angst Vollgas gibt. Ich verwickle Anne in ein Gespräch. Frank kontrolliert nochmals meinen Gurt und geht mit mir den Ablauf durch. 2200 Meter.
T -5 Minuten: Frank zieht den Gurt fest. Alle reichen sich die Hand und wünschen sich "Viel Glück". HALT! "Viel Glück" ? Geprüfte Ausrüstung, erfahrene Tandem-Master, gewohnte Abläufe, alles durchgeplant und geübt, Sicherheitsausrüstung, warum braucht man da noch Glück? Ich wünsche Anne, die gleich mit Ihrer 4er-gruppe verschiedene Figuren üben wird "Viel Erfolg". Sie lächelt. Ich lächele gequält zurück. 3500 Meter.
T - 2 Minuten: Ich ziehe die "Dappekapp" und die Brille auf. Die Mädlz von Incognito legen ihre gesamte Ausrüstung samt Helm und Handschuhen an.
T - 1 Minute: Der Pilot nimmt die Drehzahl raus. Die Tür geht auf. Letzer check von Frank ob bei mir alles OK ist. Ich gebe "Thumbs up". Der Kameramann von Incognito klettert zuerst raus und hängt aussen ans Flugzeug. Die vier Mädlz verlassen das Flugzeug mit einem Satz in einer Geschwindigkeit, als gäbe es bei H&M Sonderangebote.
T - 30 Sekunden: Frank und ich, verbunden und uns so nah wie nie (und das ist gut so!), robben vor zu Tür. Meine Hände zittern. Ich denke nur an den Ablauf. Klammere mich etwas verzweifelt oben an der Tür fest und schiebe meine Füße nach aussen, unter das Flugzeug. In unwirkliches Gefühl überkommt mich. Dann wie programmiert mache ich das Hohlkreuz, lege den Kopf in den Nacken und verstaue meine Arme eng am Körper unter dem Gurt. Ich kann es nicht glauben und schaue nach unten. Frank ermahnt mich nochmal "Kopf nach hinten".
T 0: EXIT! Ich springe gerade aus einem Flugzeug. Das realisiert man in diesem Moment überhaupt nicht! Wir fliegen kurz kopfüber und ich frage mich, ob das so sein muss. Für Angst lässt das Adrenalin in diesem Moment keinen Platz mehr. Kurz darauf sind wir stabilisiert und ich darf auf meine Arme ausbreiten. Für 50 Sekunden bin ich Gott!
In Teil 3 erfahrt ihr warum Menschen mit dickem Hintern die besseren Tandemmaster sind, stay tuned!
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